Schnurstracks zielt Bibi Bigler auf die Südländerabteilung im Garten-Center. Dort hofft sie Zitronenbäume mit Blüten und Früchten vorzufinden. Und es wäre ja gelacht, wenn wir nicht fündig würden; überdimensional grosse Zitrusfrüchte hängen an grösseren und kleineren Bäumen, teilweise mit einem Umfang von gut 20 bis 25 cm. Mit geübtem Auge sucht und findet Bigler die schönsten Zitrusblüten als Ansichtsexpemplar, welche sofort von unserem Fotografen aufgenommen und von mir beschnuppert werden wollen.

Sie erklärt: «Aus Zitruspflanzen können drei wunderbare Duftöle gewonnen werden – von der Schale, über die Blätter bis hin zur Blüte, wird die Essenz für die Parfümindustrie aber auch zum Kochen verwendet. In der arabischen Welt z. B. gilt Orangenblütenwasser in der Patisserie als wichtige Zutat.

Für die Herstellung ätherischer Öle wird nur die Schale der Zitronen- und Orangenfrucht benötigt. Das Öl wird für diesen Zweck vom unwichtigen Saft getrennt und abgeschöpft.

Im Gegenlicht sind die hellen Punkte auf der Schale gut zu sehen. Dies sind die Öl-Drüsen, in denen das ätherische Öl eingelagert wird.

Dann gibt es das sogenannte «Petitgrain»-Öl, welches aus den Blättern destilliert und hauptsächlich für Colognes gebraucht wird. Der Duft des «Petitgrains» ist sehr viel herber im Geschmack als die Essenz aus der Schale.

Auch wenn man die Blätter gegen das Licht hält, kann man die Öl-Drüsen gut sehen.

Das dritte ist das exklusivste Öl – das Neroliöl, welches aus den Blüten der Bitterorangen hergestellt wird. Für einen Liter Essenz braucht man eine Tonne Blüten. Die Bitterorange wird speziell für die Ölproduktion kultiviert und gelegentlich auch zu Konfitüre verarbeitet.

Das Neroliöl wird aus den hier sichtbaren Öl-Drüsen gewonnen.

Biglers Wissen über Düfte hat die studierte Biologin an der internationalen Parfümschule Givaudan in Frankreich erlernt. Danach war sie bei Givaudan in der Schweiz für Aromakreationen und deren Umsetzung verantwortlich. Bei einem fünfmonatigen Aufenthalt auf einer Schafalp im Engadin hat sie sich an hochalpine Düfte herangewagt. Seit mehr als zehn Jahren ist sie freischaffende Parfümeurin und immer noch neugierig, wenn es um neue Duftkreationen geht.

Das ganze Interview kann im Juni-Pflanzenfreund nachgelesen werden.