Menschen, die auf Elsbeth Meier-Albrecht zu sprechen kommen, loben sie in den höchsten Tönen. Andere würden sich darüber freuen, die 78-Jährige aber richtet verschämt ihren Blick zu Boden, trägt man ihr die Anerkennung zu. Denn sie ist es sich nicht gewohnt, im Fokus zu stehen. Sie packt Aufgaben an, ohne Anerkennung oder gar Applaus dafür zu erwarten. Seit 53 Jahren schreibt Elsbeth Meier-Albrecht in aller Stille an der Erfolgsgeschichte des Garten-Centers Meier in Dürnten mit. Ihr offenes Wesen und vor allem ihr Lächeln sind längst zur Visitenkarte des Familienbetriebes geworden – oder wie die Mitarbeitenden sagen, zu dessen Herzen. «Das andere mich so sehen, freut mich», sagt sie: «Ich bin tatsächlich eine Menschenfreundin. » Mehr mag sie dazu nicht sagen. Spätestens diese Bescheidenheit macht diese Frau sympathisch.

Eigentlich wollte sie sich in jungen Jahren zur Innenarchitektin oder Dekorateurin ausbilden lassen. «Statt Wohnräume oder Schaufenster zu verschönern, verschickte ich später in einer Gärtnerei Samentüten. Und wurde auch damit äusserst glücklich», bilanziert Elsbeth Meier-Albrecht. «Schon verrückt, was das Schicksal mit uns Menschen anstellt. Hätte mir einst jemand gesagt, dass ich irgendwann zu den Meiers gehörte, hätte ich an seinem Verstand gezweifelt. Weshalb sollte ausgerechnet ich in diesem weit herum bekannten Betrieb mitwirken: ich, die keine Ahnung von Pflanzen hatte?»

Erste Bekanntschaften mit dem Garten-Center und seinen Menschen

Sie kannte zwar die Gärtnerei. Als junges Mädchen musste Elsbeth jeweils im Frühsommer von ihrem Elternhaus in Rüti nach Tann hochsteigen, um bei den Meiers für Mutter frische Erdbeeren zu kaufen. Der Weg war lang, steil und entsprechend mühsam. Das Büro des Familienbetriebes imponierte ihr. Darin standen riesige Schränke und schwere Tische. Hinter dem hölzernen Stehpult stand ein Mann mit Nickelbrille, der die kleine Besucherin mit strengem Blick musterte, bevor er ihr die Schale mit den Früchten übergab. Die altmodische, kühle Einrichtung machten ihr grossen Eindruck. «Mir war jedes Mal angst und bang, kaum hatte ich den Raum betreten», sagt sie: «Nun bin ich schon so lange mit dieser Welt verwachsen. Dass ich nun ein Teil davon bin, macht mich stolz», sagt sie: «Die Firma, ihre Menschen, meine Familie – das Schicksal hat mir einen Sechser im Lotto beschert. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.»

Anfangs musste die Fügung kräftig mithelfen, sie auf diesen Weg zu leiten. Die Eltern hatten zu wenig Geld, um Elsbeth nach Abschluss der Schule ein Studium zu finanzieren. Also absolvierte sie in der väterlichen Zwirnerei eine kaufmännische Lehre. Sie schaffte den Abschluss, dafür büffeln mochte sie aber nicht: Stattdessen ging sie lieber tanzen, wofür ihr Vater zwar Verständnis hatte, davon aber nicht sonderlich begeistert war. Kurz nach der abgeschlossenen Prüfung hielt er seiner Tochter einen Zeitungsausschnitt unter die Nase. «Schau, was man mit Einsatz und Fleiss erreichen kann», bemerkte er und verwies auf einen Artikel, in dem Erwin Meier, der Sohn der hiesigen Gärtnerei, für seine Bestnoten an der Gärtner-Abschlussprüfung in Genf gelobt wurde. «Ich kannte den Jungen zwar nicht, dachte mir aber: So ein Streber.» Vier Tage später begegnete sie dem jungen Mann in der Badi von Rüti. Er war gross, sehr hübsch und braungebrannt. «Ich war tief beeindruckt – und sofort verliebt», sagt sie. Die beiden kamen ins Gespräch, eine Woche später besuchten sie zusammen ein Waldfest. Auf dem Heimweg offenbarte er ihr: «So eine Frau wie Dich will ich heiraten.» Zwar fiel das Jawort erst sechs Jahre später, die Liebe aber hielt. Bis heute.

Unsere Gärtnerei in Tann kultiviert jedes Jahr ein für Hobbygärtnerinnen gut ausgewähltes Sortiment. Rund 150 Sorten an bewährten bis zu den neuesten Rosensorten kommen in das Verkaufsquartier in Dürnten.

1965 stieg Elsbeth Meier-Albrecht in das Gartenunternehmen ein. «Ich war damals ein Grünschnabel», erinnert sie sich lachend, «mir unterliefen Fehler, alle anderen aber waren erfahren und nahezu perfekt.» Also legte sie einen Zacken zu. Erst verschickte sie 40 000 Kataloge, nahm die Bestellungen der Kundinnen und Kunden am Telefon entgegen, verschickte Samentüten und Pflanzen. In späteren Jahren machte sie die Kundendatei computertauglich, war verantwortlich für die Kassenmannschaft, später fürs Personal und fürs Erscheinungsbild der Gärtnerei. «Meine Schwiegermutter war mir ein grosses Vorbild», sagt sie: «Sie hat mir vorgelebt, wie man im Leben Erfüllung findet. Also strebte ich ihr nach». Und ich muss gestehen: Mir ist damit alles ‹ordeli› gelungen.»

In den 1970er-Jahren kamen die Kinder: 1973 kam Erwin Michael, 1978 Tochter Bettina und 1980 Florian zur Welt. Hat sie nie daran gedacht, sich ganz und gar der Familie zu widmen, so wie es damals viele Frauen taten? Sie lacht und schüttelt den Kopf: «Dafür war viel zu viel Arbeit da. Weshalb hätte ich kürzertreten sollen? Schliesslich liessen sich die Erziehung der Kinder und der Beruf problemlos miteinander verbinden. Darüber hinaus wurde ich von einem wunderbaren Kindermädchen unterstützt: Sie blieb 37 Jahre im Haus.» Mittlerweile sitzen Sohnemann Erwin und Tochter Bettina selber in der Geschäftsleitung. Er ist die kreative Kraft des Unternehmens, sie ist verantwortlich fürs Personal und für die Finanzen.

Nach Elsbeth Meier-Albrecht wurde diese Rose benannt.

Die Rahmenbedingungen waren für Grossgärtnereien über lange Jahre günstig. In den 1960er- Jahren wurden landauf, landab Einfamilienhäuser gebaut, die davor liegenden Gärten mussten bepflanzt werden. So klingelten auch die Kassen der Gärtnerei Meier ohne Unterbruch. Erwin Meier sen. packte die Chance und baute den Betrieb kräftig aus. 1964 eröffnete er das erste Garten-Center, 1993 plante und baute er zusammen mit Sohn Erwin einen grösseren Sitz, ein Haus in Blütenform. «Da sassen wir bereits zu sechst an der Kasse», erinnert sich Elsbeth Meier-Albrecht, die lange Jahre für diesen Bereich verantwortlich war: «Der Kontakt zu den Kunden gefiel mir sehr.» Im Jahr 2011 kam der Umzug nach Dürnten. Das dortige Garten-Center spannt sich über 20 000 Quadratmeter, wird jährlich von 400 000 Kundinnen und Kunden besucht– und gilt als innovativster Betrieb der Branche. Die heutige Seniorchefin richtete das Haus massgebend mit ein, vor allem das hauseigene Restaurant trägt ihre Handschrift.

«Frohsinn macht das Leben schöner – das eigene, aber auch jenes der anderen.»

Mit dem Erfolg wuchs in den vergangenen fünf Dekaden auch der Mitarbeiterstab: von 80 auf aktuell 200 Menschen. Kommen sie zur Sprache, gerät Elsbeth Meier-Albrecht ins Schwärmen. Sie kennt jede und jeden, schreibt allen zum Geburtstag eine Karte, überreicht sie mit einem Präsent persönlich. Anerkennung und Respekt sind ihr wichtig, beides ist stark in der Firmenkultur verankert: «Wir verlangen von den Menschen Einsatz und Leistung, also müssen wir uns auch gebührend um sie kümmern», sagt die 78-Jährige. Dafür besucht sie – wie ihr Mann Erwin auch – den Betrieb noch immer täglich, obwohl sie sich vor fünf Jahren aus dem Tagesgeschäft ausgeklinkt hat. Sie hält einen Schwatz, hat ein offenes Ohr für etwelche Anliegen – und immer lacht sie dabei. «Trübsinn tut mir körperlich weh», sagt sie: «Frohsinn macht das Leben schöner – das eigene, aber auch jenes der anderen.»

Elbeth Meier-Albrecht bei der Rosentaufe 2010 im alten Schaugarten in Tann.

Elsbeth Meier-Albrecht war auch für Lesungen, Konzerte, Führungen und andere Anlässe des Unternehmens verantwortlich – und damit auch für die Rosentaufen. Das Garten-Center hat über die Jahre ein eigenes Sortiment aufgebaut, dieses umfasst 14 exklusive Rosensorten. Sie tragen die Namen jener Menschen, welche das Haus besonders wertschätzt. Die Neuzüchtungen stammen vom befreundeten Rosenhaus Tantau in Hamburg. Jede Sorte wird eigens getauft, inmitten eines Rosenmeers und vor vielen Gästen. 2010 wurde eine apricot-gelbe Floribunda-Rose nach Elsbeth Meier benannt, sie blüht in ihrer Lieblingsfarbe und trägt ein kräftiges Blattkleid. Was sie mit der Rose gemeinsam hat? «Beide sind vital und frohwüchsig», lobte ihr Mann an der Rosentaufe. «Und wir beide sind robust und unkompliziert», sagt die Namensspenderin: «Deshalb gehört die Elsbeth-Meier-Rose noch immer zu den bestverkauften Sorten des Garten-Centers.»

Bald soll auch ihr Mann Rosen gekrönt werden. Dafür stehen sechs neue Sorten zur Auswahl, diese wachsen bereits im privaten Dachgarten des Ehepaars. Welche zum Zuge kommt, steht noch nicht fest. «Für die Wahl bleibt uns bis 2022 Zeit – dann feiern mein Mann und ich unseren 80. Geburtstag – und die Rose ist ein Geschenk an ihn. Sie war überfällig. Er hat es verdient –mehr als alle andern.» Und wieder schwingt in ihren Worten Liebe mit – dieses Mal besonders gut hörbar.

2022 feiern Elsbeth und Erwin Meier-Albrecht ihren 80. Geburtstag.

Das Interview ist im Juni-Pflanzenfreund erschienen.