Mit Pflanzen reisen auch Ameisen, Käfer oder Plattwürmer um die ganze Welt. Nicht alle schaden den Pflanzen, mit denen sie reisen. Zum Problem werden können sie trotzdem.

Durch Globalisierung und Reiselust befeuert, werden nicht nur Pflanzen über weite Strecken transportiert, sondern auch alles, was auf diesen Pflanzen lebt, sich in der Erde verbirgt oder an Töpfen und Plastikgefässen haftet.

Besonders heimtückisch sind dabei Arten, welche die Pflanzen gar nicht schädigen und die daher nicht durch welke Blätter oder andere Krankheitsbilder auffallen. Doch der harmlose Eindruck kann trügen. Ameisenarten, die Superkolonien bilden und in grosser Zahl in sämtliche Gebäude eindringen; oder Plattwurmarten, die Regenwürmer dezimieren und dadurch die lokale Bodenfruchtbarkeit gefährden. Dies sind nur zwei Beispiele solch invasiver blinder Passagiere.

Gefährliche Plattwurmart

Dank aufmerksamen Mitarbeiterinnen der Gärtnerei Meier in Tann wurde im vergangenen Jahr die Plattwurmart Obama nungara entdeckt und deren Fund den zuständigen Behör-den gemeldet. Obama nungara kann in unseren Breitengraden überwintern und es besteht die Gefahr, dass sie durch ein Dezimieren lokaler Wurmpopulationen die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen könnte.

Der Plattwurm ist bereits an mehreren Orten in Europa festgestellt worden und scheint sich über den Pflanzenhandel zu verbreiten. In Belgien wird seit Jahren versucht, den Befall von Gärtnereien mit phytosanitären Massnahmen zu beenden, während in Grossbritannien bereits ein Übergreifen auf private Gärten dokumentiert wurde. Der aktuelle Fall ist der erste offiziell dokumentierte in der Schweiz.

Recherchen ergaben, dass Plattwürmer in der Schweiz jedoch bereits andernorts entdeckt wurden. Aber obwohl für solch besonders gefährlichen Schadorganismen (bgSO) eine allgemeine Melde- und Bekämpfungspflicht gilt, wurden diese Funde offensichtlich nie offiziell gemeldet.

Widerspruch zu gesellschaftlichen Erwartungen

In der Öffentlichkeit ist der Umgang mit Schadorganismen nicht einfach. Deren Funde stehen im Widerspruch zu gesellschaftlichen Erwartungen, behördlich angeordnete Massnahmen und können einen unbekannten Aufwand verursachen. Selten ist auch auf Anhieb klar, um welche Art es sich bei einem neu festgestellten Organismus handelt, oftmals ist nicht einmal bekannt, wer diese Frage überhaupt beantworten kann.

Umso wichtiger ist es, dass sich Gärtnerinnen und Gärtner nachdrücklich in ihren Gärtnereien und in den Beziehungen mit Kundschaft und Partnern um den transparenten Umgang mit Schadorganismen bemühen. Es empfiehlt sich in jedem Fall eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, die nicht nur Experten vermitteln, sondern auch Empfehlungen zur Bekämpfung aussprechen können. Derzeit wird im vorliegenden Fall ein Massnahmenkatalog ausgearbeitet, der sicherstellen soll, dass sich der Plattwurm nicht über die Gärtnerei hinaus verbreitet und am Ende in den Privatgärten der Kundinnen und Kunden landet.