Liebe Leserin, lieber Leser

Was hat eine Unterhose auf dem Cover eines Gartenmagazins verloren, und was hat sie mit unserem Boden zu tun?

Die Schweizerische landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope hat im letzten Sommer zum Vergraben von Baumwollunterhosen aufgerufen. Am 19. Juni 2019, dem «Tag des unterirdischen Lebens», startete die Aktion und hatte das Ziel, die verborgene Artenvielfalt im Boden sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie fruchtbare Erde zu einer produk-tiven Landwirtschaft beiträgt. Ganz im Sinne der internationalen Kampagne #SoilYourUndies, konnten Kinder und Erwachsene Baumwollunterhosen auf dem Gelände der Forschungsanstalt eingraben. Diese wurden zwei Monate im Boden belassen. Während dieser Zeit haben die Bodenlebewesen – Asseln, Regenwür-mer, Springschwänze, Milben, Bakterien und Pilze – einen Teil der Baumwolle zer-fressen und in neuen Boden umgewandelt. Alle lernten, je stärker verrottet, desto aktiver sind die Bodenlebewesen und desto gesünder ist der Boden.

Der Boden unter unseren Füssen ist also ein kostbares Gut und muss auf Händen getragen werden. Ohne ihn ist kein Leben möglich – ohne die nur wenige Zentimeter dicke Haut der Erde, der Humusschicht, würde nicht viel wachsen. Schon 1862, als die Menschen noch bodenständiger als heute lebten, stellte Frederic Albert Fallou, Gründer der wissenschaftlichen Bodenkunde, fest: «Eine Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst.»

Welcher Boden aber befindet sich unter unseren Füssen? Elsa Ferstl, unsere Agrarbiologin, erklärt, wie Sie selber anhand einer Fingerprobe erkennen, welche Bodenart in Ihrem Garten liegt (Seite 16). Wir zeigen Ihnen anhand eines sich selbst erhaltenden Gartenbeispiels, wie einfach es ist, Humus selber herzu-stellen und wie achtsam unsere Erde behandelt werden sollte (Seite 20). Wenn Sie keinen eigenen Garten oder Balkon besitzen, kaufen Sie einen Wurmkomposter (Seite 26) oder einen Bokashi-Behälter (Seite 32). Vielleicht entdecken Sie auch ein anderes Kompostiersystem, das passt (Seite 34).

Sorgsamer Umgang mit unserem Boden ist also das A und O – die Wurzeln von heute, sind der Humus von Morgen. Oder wie Erwin Meier-Honegger in seinem Standpunkt (Seite 50) so schön sagt: «Die Wurzeln sind wie unsere Füsse, sie wissen alles.»