Liebe Leserin, lieber Leser

Der November hält, was er verspricht. Die Tage werden kürzer und die Pflanzen, Insekten und Gartenbewohner, wie auch wir selber, bereiten uns auf kältere Temperaturen vor oder stellen uns auf eine Phase der Ruhe ein. Die Igel haben hoffentlich ein sicheres und warmes Winterquartier in Ihrem Garten gefunden und sind bereits im Winterschlaf.

Wo verbringen andere Gartenbewohner die kalte Jahreszeit? Blindschleichen z. B. graben einen bis zu einem Meter tiefen Erdgang für ihr Winterquartier. Dieser wird mit Gras oder Moos sorgfältig ausgepolstert und anschliessend verschlossen. Wie im Massenschlag einer Alphütte verharren 30 bis – in seltenen Fällen – 100 Blindschleichen unter der Erde in der Kältestarre. Gelegentlich finden sich auch Feuersalamander, Erdkröten und andere Reptilien im gleichen Quartier ein. Andere Gartenbewohner wie Marienkäfer oder Zitronenfalter überstehen den Winter als Adulte in geschützten Verstecken an der Bodenoberfläche, unter Laub, Nadelstreu, Moos- und Graspolstern, manchmal auch unter der Rinde von Bäumen, in Hohlräumen zwischen und unter Steinen, in Holzstapeln oder an Gebäuden (Seite 18). Einige Wildbienen verwenden zum Nisten ausschliesslich abgebrochene oder abgeschnittene, markhaltige dürre Zweige bzw. Stengel von Brombeeren, Himbeeren, Heckenrosen, Königskerzen, Disteln, Kletten oder Beifuss. In das weiche Pflanzenmark nagen sie einen Gang für das Nest. Die Bruch- bzw. Schnittstelle ermöglicht den Bienen den Zugang.

Und was ist die Überlebensstrategie der Pflanzen? Laubbäume z. B. verlieren ihre Blätter im Herbst und begegnen dem Winter fast «nackt». Dieser Blätterverlust ist ein ganz natürliches Phänomen, bei dem die Wasserreserven gespart und vor Verdunstung bewahrt werden (Seite 6). Bäume, die ihre Blätter nicht verlieren, widerstehen dem Winter, weil sie nur sehr wenig Wasser benötigen. Alle Stauden besitzen eine ähnliche Überwinterungsstrategie. Sie speichern ihre Energie in sogenannten Überdauerungsorganen (Rhizome, Knollen, Zwiebeln), die unter oder knapp über der Erdoberfläche liegen und treiben im neuen Jahr wieder frisch aus. Knollengewächse ziehen sich in die Erde zurück, andere Pflanzen reduzieren die Anzahl und Entfaltung ihrer Blätter, um Energie zu sparen. Was sonst noch im Garten ansteht, bevor der Winter kommt, lesen Sie auf Seite 16.

Wir wünschen Ihnen ein sanftes Runterfahren und Einstimmen auf die kältere Jahreszeit.