Liebe Leserin, lieber Leser

Gestern kam mein Nachbar von der anderen Strassenseite zu mir herüber und drückte mir ein Foto in die Hand. «Schau mal, so hat euer Garten früher ausgesehen», schmunzelte er. Ich schaue zweimal, dreimal auf das Bild, muss lachen ob des Anblicks unseres Gartens und wie er sich vor rund 50 Jahren unseren Nachbarn gegenüber präsentierte. Meine Grossschwiegermutter war eine begnadete Gärtnerin. Damals, in den 1960er- bis 1970er-Jahren, war sie sozusagen Selbstversorgerin, wohl noch traumatisiert von der Hungersnot nach dem Krieg. Aber ihre Beete gaben nicht nur viel her, sie sahen auch aus, als wären sie für einen Schönheitswettbewerb herausgeputzt und zurechtgemacht. Nirgends auf dem Bild kann ich ein Unkraut oder etwas Unordentliches im Garten erkennen. Alles steht fein säuberlich in Reih und Glied. Die Blumen und Gemüsekulturen stehen stramm nebeneinander wie beim Militär. Ui, denke ich mir, verglichen mit meinem doch recht wilden Garten, den ich seit Jahren kultiviere, wird mir der Nachbar dieses Foto nicht umsonst gezeigt haben. Was will er mir damit bloss sagen?

In einer so unterschiedlichen Welt unsere Vorfahren auch aufgewachsen sein mögen, so wollen wir doch schlussendlich alle das gleiche. Dies zeigt das Porträt des Familienunternehmens Hauert, welches das harte Düngergeschäft mit Optimismus und Feingefühl wie die vielen Generationen vor ihnen weiterführt (Seite 16). Aber auch die Familie Meier zeigt auf, dass die ältere Generation immer noch mit der jüngeren mithalten kann und Senior und Junior beraten zwar die Kundschaft mit unterschiedlichen Pflegetipps, doch schlussendlich wollen beide das gleiche; gesunde Pflanzen und eine gesunde Umwelt. Auch sie wollen dasselbe wie ihre Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern: Das Geschäft muss sich gewinnbringend in die neue Welt einfügen und sich dementsprechend auf dem Markt positionieren (Seite 22). Und da wir ja ein Gartenmagazin sind, haben wir uns überlegt, welche Pflanzen an die nächste Generation weitergegeben werden: Es sind Reben, Rebstöcke oder gar ein Rebberg, wie z. B. der, den Frau Meier-Honegger von ihrem Vater geerbt hat, und nun der alten Rebsorte, dem Räuschling, genauso Sorge tragen will, wie es ihr Vater sein ganzes Leben getan hat (Seite 27).

Und zu guter Letzt sind wir mit Ernst Frischknecht, dem bald 80-jährigen Biopionier und dem Jungspund und Lebensmittelretter Dominik Waser, beide aus Tann-Dürnten, zusammengesessen und stellen fest, dass ihre Weltanschauung und ihr Wille, etwas nachhaltig Sinnvolles für die Natur und ihre Nachkommen zu machen, sehr ähnlich sind.

Wir wünschen Ihnen ein generationenübergreifendes Lesevergnügen.

Ihre Redaktion