Liebe Leserin, lieber Leser

Unser Themenschwerpunkt «Grün in der Stadt» freut mich deshalb besonders, weil ich in der Stadt Zürich geboren und aufgewachsen bin – und immer noch hier lebe. Trotz urbaner Wurzeln interessierte ich mich schon früh für die Natur und ihre Wunder, vor allem aber auch für die Stadtnatur und deren Flora und Fauna. Vielleicht oder gerade deshalb war und bin ich bis heute neugierig , weil man sie hier gar nicht vermutet und doch immer wieder Neues entdeckt. In meinem eigenen Stadtgarten, oberhalb von Zürich, erlebe ich tagtäglich Biodiversität vom Feinsten. Immer wieder begegne ich Fuchs, Dachs, Igel, Marder oder Eichhörnchen; natürlich im Dunkel der Nacht. Oder je nach Jahreszeit auch einer Blindschleiche, Erdkröte, einem Molch und vielen Insekten, deren Namen ich leider nicht alle kenne. Es verbirgt sich also nicht nur eine vielfältige Pflanzenwelt in der Stadt, auch die Tiere mögen die diversen und unterschiedlichen Mikrogrünräume.

Unser Redaktionsteam staunte nicht schlecht, als die Fotografin mit über 2000 Bildern von verwunschenen grünen Oasen, verborgenen Gärten, bepflanzten Strassenrändern, wuchernden Terrassen oder Balkonen, überglücklich und voller Entdeckungsdrang aus der Stadt zurückkehrte. Wir haben für Sie eine Bildreportage dieses vielseitigen Stadtgrüns zusammengestellt (ab Seite 16).

Klar, in der Stadt herrscht Dichtestress, jede Versiegelung eines neuen Grundstücks schmerzt, die Neophyten sind auch hier ein Thema, die Luftverschmutzung und die Hitze fordern die Pflanzen- und Tierwelt. Doch es gibt gute Beispiele, wie u. a. die Vorzeigestadt Wien, die die Problematik der schwindenden Grünflächen im urbanen Raum erfolgreich angegangen ist. Sie macht vor, wie Mikrogrünflächen gefördert werden können (Seite 24).

Was für einen enormen Kraftakt ein durchdachtes Begrünungskonzept eines Hochhauses, und welch planerisches Geschick die richtige Pflanzenwahl für jede Himmelsrichtung darstellen, erfahren Sie in einem Interview mit dem Land-schaftsarchitekten des zweiten Gartenhochauses der Schweiz , dem «Aglaya»-Projekt in Rotkreuz.

Und zuletzt möchte ich Ihnen noch ein Porträt einer jungen, beeindruckenden Frau ans Herz legen. Sie bewirtschaftet mit grossem Respekt einen zwei Hektar grossen Naturgarten, einen Bungert im Zürcher Unterland. Was dies ist, was sie antreibt und wie sie ihren wilden Naturgarten hegt und pflegt, lesen Sie auf Seite 31.

Viel Spass beim Entdecken von verborgenen grünen Oasen.

Mit freundlichen Grüssen