Der Olivenbaum

– ein mediterranes Urgestein

 

Text: Scarlet Allenspach

 
 

Der Olivenbaum ist wohl das typischste Merkmal der mediterranen Vegetation. Er benötigt viel Zeit zum Wachsen, kann jedoch mehrere hundert Jahre alt werden. Das älteste bekannte Exemplar in Vouves auf Kreta wird auf 4000 Jahre geschätzt.

Olivenbäume werden zur besseren Ernte beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Dabei gilt im Allgemeinen die Regel: je krummer und knorriger, desto besser der Ertrag. Das finde ich irgendwie sehr sympathisch.

Als immergrüne Pflanze verliert der Olivenbaum zu keiner Jahreszeit all sein Laub, die Blätter werden saisonunabhängig abgeworfen. Die Blätter des Olivenbaums können als Tee verwendet werden, dem viele positive Eigenschaften zugesprochen werden. Hildegard von Bingen empfahl Olivenblättertee bei Magen- und Verdauungsproblemen.

 
 

Spanien ist der grösste Olivenproduzent der Welt. Das heutige spanische Sortenspektrum entspricht immer noch dem im 15. Jahrhundert. Auch auf Mallorca wird der Olivenbaum – neben dem Mandelbaum – am häufigsten kultiviert. Er ist aber auch vielerorts wild anzutreffen, zum Beispiel im Wald auf meinem Grundstück.

 
 

Oliven sind wegen ihrer Bitterkeit roh nicht geniessbar. Die Oliven, die wir im Laden kaufen, werden über mehrere Tage in Wasser eingelegt, bis alle Bitterstoffe ausgeschwemmt sind. Danach werden sie in Salzlake oder Öl eingelegt. Die Steinfrüchte sind roh grün und werden dann stetig dunkler, von violett bis schwarz. Oft werden jedoch grüne, mit Eisengluconat schwarz gefärbte Oliven als schwarze Oliven verkauft. Diese sind zwar weniger aromatisch, aber billiger als schwarze Oliven und oft daran zu erkennen, dass sie bereits steinlos sind. In Öl eingelegt sind sie farbunabhängig mindestens ein Jahr lang haltbar, was wohl die häufige Verwendung in der mediterranen Küche erklärt. 

Der grösste Teil der Oliven wird jedoch direkt zu Öl gepresst. Hierzu werden die unreifen, noch grünen Oliven verwendet. Die Ernte findet je nach Gebiet ab Mitte Oktober statt, bevor die Oliven ihre Farbe von grün zu rot-violett wechseln. Ich hatte das Glück, Freunden bei der diesjährigen Olivenernte helfen zu dürfen und so zu lernen, worauf zu achten ist.

 
 

Die Ernte wird meistens als sozialer Anlass zelebriert. Freunde kommen zusammen, um gemeinsam zu ernten, anschliessend wird gemeinsam gegessen und gefeiert. Die Oliven werden entweder mit Stöcken oder Maschinen von den Bäumen geschüttelt. In unserem Fall wurde dafür eine Art vibrierender Kamm verwendet. Zum Auffangen der Oliven wird der Boden mit Netzen ausgelegt, die das Einsammeln erleichtern. Blätter und kleine Äste werden später maschinell aussortiert. Ernte und Verarbeitung sollen möglichst am selben Tag geschehen, um die hohe Qualität des Öls sicherzustellen. In der Ölmühle werden die Oliven gewaschen, mitsamt dem Kern zerkleinert und schliesslich rein mechanisch und kalt gepresst. So bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe am besten erhalten. 

 
 

Olivenöl Extra ist wegen des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren sehr gesund und wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und den Fettstoffwechsel aus. Es hat sogar eine entzündungshemmende Wirkung. Für einen Liter natives Olivenöl braucht es ungefähr 8 bis 10 Kilo Oliven. 

Das Ernten hat Spass gemacht, war sehr lehrreich und für mich als Neuankömmling auf Mallorca eine gute Gelegenheit, neue Leute mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. In meinem Waldgarten wird es sehr wahrscheinlich keine Oliven geben, da dies nicht zur Biodiversität der Insel beitragen würde. Ich frage mich jedoch: «Könnte ich die wilden Oliven, die bereits im Wald des Grundstücks zu finden sind, mit Essoliven veredeln?» Dies gilt es noch abzuklären oder auszuprobieren. Den eigenen Olivenblättertee werde ich aber ganz bestimmt ausprobieren! 

 

Die Bilder und das Video sind auf der Finca Alma entstanden: @fincaalma

 

Neues aus Scarlets Mallorca-Tagebuch

«Schon rein wettertechnisch hat es sich gelohnt, den Oktober auf Mallorca zu verbringen. Das Meer ist noch angenehm warm, die Sonne scheint oft und die meisten Touristen sind längst wieder abgereist. Ich habe in Portocolom eine kleine Wohnung gefunden, einen guten Spaziergang vom zukünftigen Grundstück entfernt. Ich war etwas überrascht, so schnell eine so schöne Unterkunft gefunden zu haben – mit vista al mar! Das Grundstück besuche ich ein bis zwei Mal die Woche, meistens um für meinen YouTube-Kanal und den «Pflanzenfreund» Filme zu drehen oder es Freunden und Familie zu zeigen. Schliesslich hat das Land bis anhin nur mein Freund gesehen und ich musste die Entscheidung, es zu kaufen, alleine fällen. Das Feedback ist durchaus positiv. Wenn auch die meisten vor allem die bevorstehende Arbeit und nicht das Paradies sehen, das ich vor Augen habe ... Auch vor dem Computer habe ich viel Zeit verbracht, um nach einem passenden Architekturbüro zu suchen, um baldmöglichst das Baugesuch einzureichen. Dafür habe ich ein ausführliches Briefing auf Spanisch zusammengestellt. Ich suche nach einem Büro, welches sich mit nachhaltigem Bauen auskennt und meine etwas ausgefallenen Ideen – (wie die Mehrfachnutzung von Grauwasser – spannend findet.»

Scarlet Allenspach, Portocolom, im Oktober 2021

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Erdbeerbaum